Kurrentschriftgruppe

1159

Bei vielen Teilnehmern kamen am vergangenen Sonntag wieder bei einer von der Kurrentschriftengruppe Lardenbach/Klein-Eichen durchgeführten Wanderung mit anschließender Ausstellung die Erinnerungen an die eigene Schulzeit vollends zum Vorschein. Die seit vier Jahren sich dem Lesen und Schreiben der Kurrent- und Sütterlinschrift widmenden Cordula Michaelsen, Ursula Schombert, Bärbel Loob, Annette Döpfer, Karola Müller, Heike Müller, Anja Jäger, Werner Zimmer und Norbert Dittrich hatten sich bei der neuerlichen Wanderung das Thema „Schule in Lardenbach und Klein-Eichen“ ausgesucht. Grundlage dafür war auch die genau vor 130 Jahren am 19. September 1886 eingeweihte „alte Schule“ und jetziges Evangelisches Gemeindehaus in Lardenbach. Seiner Bestimmung übergeben wurde zudem vor 65 Jahren die neue Lardenbacher Schule, die heute neben dem städtischen Kindergarten noch das Vereinsheim des Spiel- und Sportverein Lardenbach/Klein-Eichen beherbergt. Beim Lesen der Kirchenchronik fanden die Gruppenmitglieder das heimische Schulwesen so interessant, dass sie die dann letztlich mit über 100 Teilnehmern durchgeführte Veranstaltung planten. Ziel war es besonders den jetzigen Generationen zahlreiche Informationen über das Lernen in der Vergangenheit zu vermitteln. Treffpunkt der Wanderung war am Lardenbacher Feuerwehrgerätehaus. Pfarrerin Michaelsen sah die dortige Bushalltestelle, wo heute die Lardenbacher Schüler ihren Start in den Schulalltag beginnen, als einen für die Kinder bedeutsamen Ausgangspunkt. Das erste Ziel war danach die am 18. November 1951 eingeweihte Lardenbacher Volksschule. Bärbel Loob gab dabei einen Einblick in die Geschichte dieses Gebäudes, das dank einer außerordentlichen Rodung im Lardenbacher Wald von der Gemeinde finanziert werden konnte. Sie nannte u. a. mit Friedrich Steinmüller und Friedel Hedrich auch die zwei bei der Wanderung anwesenden Schulleiter bzw. Lehrer, die die heimischen Kinder auf das zukünftige Leben hervorragend vorbereiteten. Neben dem herkömmlichen Unterricht erlernten die Jungen durch das Werken das praktische Arbeiten und die auch zusätzlich aus dem Nachbarort Stockhausen kommenden Mädchen bei der Handarbeitslehrerin Erdmann Kochen, Stricken und Nähen. Beim nächsten Ziel mit der ehemaligen Molkerei, Bürgermeisterei, Feuerwehrhaus und dem heutigen „Pleik-Haus“ in der Seentalstraße ging Heike Müller auf den dortigen Schulraum ein. In dem Gebäude wurde von 1930 bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 Unterricht abgehalten. Danach diente es zunächst als Unterkunft für Kriegsgefangene und später als Wohn- und Geschäftshaus, ehe es im Jahre 1963 an Privat veräußert wurde. Ein weiteres Schulzimmer gab es laut den Ausführungen von Karola Müller vor 1618 im Wohnhaus des langjährigen Lardenbacher Bürgermeisters Reinhard Mölcher sen. in der Seentalstraße. Sie erwähnte dabei auch die Abhaltung des Unterrichtes durch schuldienstfähige Bewohner. Einen ersten auswärtigen Lehrer gab es 1709 in Lardenbach. Der Altbürgermeister sicherte vor dem Umbau der neuen Schule zum Kindergarten ein dort aufgehängtes Geschichtsvlies. Dieses mehrere Meter lange Papierbanner beinhaltet wichtige Ereignisse und Zahlen der deutschen Geschichte von der Vorzeit bis zum Jahr 1914 im 2. Reich. Die nächsten Erläuterungen erfolgten dann durch Anja Jäger, Annette Döpfer und Ursula Schombert vor dem Pfarrhaus. Hierbei erfuhren die Teilnehmer von den Aufgaben und der Entlohnung des Schulmeister Johannes Fleischer und der Tatsache, dass die Realienfächer mit der religiösen Erziehung der Kinder vor dem Erlernen des Lesens, Schreibens und des Rechnens aufgelistet war. Als im Jahr 1717 Lardenbach zu einer eigenen Pfarrei erhoben wurde, gab es für den Pfarrer die Verpflichtung, auch den Schulunterricht zu halten. Für das heutige Pfarrhaus wurden zwei Stockwerke und das Dachgeschoss eines Fachwerkhauses aus Freienseen erworben und in Lardenbach wiederaufgebaut. In dem Gebäude war auch der Schulraum in dem zeitweise siebzig Kinder unterrichtet wurden. Dieser nicht so große Raum war zugleich auch noch mit einem Bett als Schlafstätte für eine Magd ausgestattet. 1834 zog Pfarrer Zöckler in das Pfarrhaus ein. Zuvor war von 1829 bis 1834 die Pfarrstelle in Lardenbach nicht besetzt. Im Jahre 1838 erfolgte die Zusammenlegung der Schulen aus Lardenbach und Klein-Eichen. Wie Werner Zimmer informierte fand der Unterricht für die Kinder in Klein-Eichen zumeist in den Räumen von Lehrern bzw. in Scheunen statt. Von 1683 bis 1706 unterrichtete in Klein-Eichen ein aus Lardenbach stammender gewisser Johannes Dörr die Kinder. Henrich Möller war nach dem Zusammenschluss von 1839 an der erste Lehrer der gemeinsamen Schule. Nach Aussage von Norbert Dittrich beliefen sich die Baukosten der Schule auf 8.200 Mark. Die Einweihung im Jahr 1886 fand am selben Tag zusammen mit dem Lardenbacher Kirchweihfest statt. Für den in beiden Dörfern stattfindenden Festumzug waren die Häuser geschmückt. Dem Polizeirat Keller an der Zugspitze folgte die „Musikbande“ und der das Kommando „Bataillon marsch“ gebende Zugordner. Hiernach kamen 17 Jungen und 24 Mädchen, sowie das Kissen mit dem Haustürschlüssel, Fahnenträger, der Kirchengesangverein, die Kreisschulkommission, die Kirchenvorsteher, weitere Honoratioren und am Ende die restlichen Schüler. Die Weiherede hielt Pfarrer Kleeberger. Mit dem gemeinsamen Singen des Liedes „Nun danket alle Gott“ ging es zum geselligen Feiern über, wobei die Ehrengäste anschließend auch noch der Kirmes einen Besuch abstatteten. Abwechseln berichteten die Gruppenmitglieder über verschiedene in der Chronik festgehaltene Geschehnisse und Ritualen. So gab es bei der Einschulung im Jahr 1951 erstmals Schultüten für die Abc-Schützen. Zuvor erhielten die Schulanfänger eine große Brezel. Im Jahr 1921 freuten sich die neuen Schüler noch über gefärbte Ostereier. Erwähnung fanden der schichtweise Unterricht und die Trennung von Jungen und Mädchen. Eine gleich zweifache Einschulung gab es für Reiner Roth und Sieglinde Groß. Nach ihrem ersten Schultag wurden beide Schüler wieder nach Hause geschickt. Man stellte erst da fest, dass sie für die Schule noch nicht das entsprechende Alter hatten. Somit wurden sie ein Jahr später zum zweiten Mal eingeschult. Im Rahmen des Rundganges wurde durch die Teilnehmer auch der im Jahr 1886 stattgefundene Einweihungsumzug nachgestellt. Hierbei folgten dem von Karl-Heinz Hollederer dargestellten Polizeirat, der von Karola Müller auf einem Kissen getragene Eingangstürschlüssel und in zweier Reihen mit Blumensträußchen ausgestattet die weiblichen und mit Fähnchen versehen die männlichen Rundgangteilnehmer. Nach dem Eintreffen an der ehemaligen Schule stand den vielen Besucher dann die mit so einigen Raritäten aus dem Lardenbacher und Klein-Eichener Schulwesen bestückte Ausstellung zum Betrachten bereit. Angeboten wurde zudem allen Anwesenden noch ein Kaffee- und Kuchenbuffet mit selbstgebackenen Kuchen.

20160918-L0090001-Rundgang

Der nachgestellte Einweihungsumzug

20160918-L0090002-Rundgang

Karl-Heinz Hollederer und Ute Paha wie in alten Zeiten im Schulstress

20160918-L0090003-Rundgang

Großes Interesse fanden die zahlreichen Klassenfotos

20160918-L0090008-Rundgang

20160918-L0090004-Rundgang

Das Geschichtsvlies vermittelte einen Einblick in die Vergangenheit

20160918-L0090006-Rundgang

Die Klassenordnung musste strengstens befolgt werden

20160918-L0090005-Rundgang

Ein Wunsch an die Schule

20160918-L0090009-RundgangPfarrerin Cordula Michaelsen, Norbert Dittrich und Karl-Heinz Hollederer als Polizeirat

20160918-L0090010-RundgangBei vielen Besuchern kam bei der Ausstellung wieder die Erinnerung an ihre Schulzeit

20160918-L0090011-Rundgang

Die Mitglieder der Kurrentschriftengruppe Lardenbach/Klein-Eichen