Lardenbacher Bezugs- und Kreditgenossenschaft seit 1971 der heutigen Volksbank Mittelhessen angegliedert – 2005 gab es einen Banküberfall

Hätten sich die Zeiten in den letzten 100 Jahren nicht so gravierend geändert und wäre auch eine Fusion mit der damaligen regionalen Volksbank Gießen nicht erfolgt, dann könnten die Lardenbacher in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum feiern. Denn am 29. April 1920 vor 100 Jahren beschlossen 65 Personen unter den Namen „Landwirtschaftliche Bezugs- und Kreditgenossenschaft die Gründung einer Genossenschaft für Lardenbach. Die offizielle Eintragung in das Genossenschaftsregister beim oberhessischen Amtsgericht in Laubach erfolgte am 24. Oktober 1920. Grund der Gründung war der gemeinschaftliche Einkauf von Verbrauchsstoffen und Gegenständen des landwirtschaftlichen Betriebs, sowie der Verkauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Dem ersten Vorstand gehörten Vorsitzender Karl Müller, Rechner Christian Schmidt II. und Karl Keil an. Die positive Entwicklung der Genossenschaft zeigte sich in den steigenden Mitgliederzahlen, die im Jahr 1936 auf 145 und im November 1940 auf 211 gestiegen waren. Die für jedes Mitglied auf einen Geschäftsanteil begrenzte Haftsumme betrug anfangs 200 Mark. Im Jahr 1950 wurde unter der Leitung von August Jung ein Außenlager in Freienseen eröffnet. Zu jener Zeit übernahm auch der im Dorf als „Große Wilhelm“ bekannte Wilhelm Schmidt von seinem Vater Karl Schmidt die Geschäftsführung. Zur Unterstützung standen ihm im Laufe seiner Zeit Wilhelm Dörr, Helga Peitz und Roselinde Haeske zur Seite. Die Mitgliederversammlung beschloss im Jahr 1958 die Namensänderung in Spar- und Darlehnskasse Lardenbach. Deren Vorstand gehörten neben dem Vorsitzenden Reinhard Keller noch die Mitglieder Hugo Becker, ein Herr Maurer, Adolf Felsing, Rudi Hofmann, Georg Heßler, Hugo Immelt, Wilhelm Eckhardt, Otto Stiehler und Otto Rock an. Neben dem landwirtschaftlichen Warenlager und dem Finanzgeschäft besaß die Genossenschaft noch eine Waschanlage mit Schleuder und eine Wäschemangel. Für die Landwirte standen ein Lanz-Bulldog mit Binder, ein Krautschläger, eine Kartoffeldämpfanlage und eine Getreidereinigungsanlage zur Verfügung. Personelle und strukturelle Veränderungen gab es 1962 mit der Wahl von Albert Müller zum Vorstandsvorsitzenden und der Geschäftsstellenbesetzung durch Ernst Lind im Jahr 1966. Nach dessen altersbedingten Ausscheiden übernahm zum Jahresbeginn 1979 Dieter Stroh die Zweigstellenleitung. Ihm folgten ab 1994 bis 1998 Sven Pappe und danach Corina Tröller nach. Zu den weiteren Mitarbeiterinnen zählten in der Zeit 2000 bis 2008 u. a. Ilona Schmidt, Katja Stock, Gaby Allgeyer und Jutta Daubertshäuser. Das Warenlager betreute ab dem 1. Juli 1977 bis zu dessen Auflösung am 1. Januar 1987 Heinrich Frank. Bereits 1985 wurde das zwischenzeitlich von Willi Klös geführte Zweigwarenlager in Freienseen aufgelöst. Die am 25. Februar 1971 beschlossene Verschmelzung der Sparda Lardenbach mit der Volksbank Gießen ließ nach deren Vollzug im Bankgeschäft einen weiteren Aufschwung mit deutlichen Steigerungen bei den Geldeinlagen erkennen. So konnte auch am 25. Oktober 1980 ein Zweistellenneubau eingeweiht werden. Das Gebäude wurde später nach der überraschenden Zweigstellenschließung am 15. Dezember 2008 dann im November 2009 an Privat verkauft. Noch vor der Schließung konnte am 12. April 1995 unter Beteiligung der örtlichen Vereine mit einem abwechslungsreichen Festprogramm und der Band „Amigos“ sowie Volksbank-Direktor Herbert Mack das 75-jährige Bestehen der einstigen Landwirtschaftlichen Bezugs- und Kreditgenossenschaft gefeiert werden. Eine Feier zum 100. Jubiläum wird es natürlich nicht geben. Doch dürfte heute noch gerade der älteren Lardenbacher Bevölkerung neben den weiteren zwischenzeitlich geschlossenen Lardenbacher Geschäften dieser Kommunikation-Treffpunkt fehlen. So bleiben nach der Schließung nur die Erinnerungen an eine in der früheren Zeit wichtigen Einrichtung, in der man laut der Festrede des ehemaligen Volksbankdirektors Herbert Mack jedem Kunden bei der Abwicklung der Bankgeschäfte stets persönlich die Hand reichen wolle. Diese damalige Aussage dürfte sich inzwischen aber durch die Filiale-Schließung und den „sogenannten“ Fortschritt und die damit verbundene Digitalisierung schon lange überholt haben. Ein ungewöhnliches aufregendes Ereignis war für eine Mitarbeiterin der Lardenbacher Volksbank-Zweigstelle ein versuchter und bis heute nicht aufgeklärten Banküberfall am 4. Januar 2005. Durch das beherzte Auftreten der Bankangestellten musste, der mit einer „Phantom der Oper-Maske“ und einem hellen Strohhut maskierte Täter jedoch ohne Beute abziehen.

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